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Kiesflächen
für Auffahrten und Wege kennt jeder und
auch ein Kiesbeet (Pflanzfläche mit mineralischen Mulch wie Kies oder
Splitt) hat der ein oder andere schon gesehen. Der Kiesgarten verbindet
beides konsequent, ist aber wesentlich mehr als nur eine mit Kies bedeckte
Gartenoberfläche. Die Idee eines "echten" Kiesgarten ist es nicht nur schön,
sondern so pflegeleicht wie möglich zu sein und auf Bewässerung
weitestgehend verzichten zu können. Dazu gehört gehört die entsprechende
Vorbereitung des Pflanzuntergrundes und vor allem die richtige Auswahl von
möglichst trockenheitsverträglicher Pflanzen für die Pflanzflächen
(Kiesbeet). Diese wirklich tolle Idee Ästhetik mit Pflegeleichtigkeit zu
Verbinden wird oft der britischen Gartengestalterin Beth Chatto
zugeschrieben, deren Garten sich in einer recht trockenen Gegend Englands
befindet (der Garten wurde noch nie bewässert). Ob sie (oder jemand anderes)
der "Erfinder" dieses Gartenstiles ist lässt sich schwer sagen und ist
eigentlich auch völlig uninteressant, fest steht das dieser Gartenstil sich
immer mehr im privaten Gärten und auch bei öffentlichen Grünflächen
durchsetzt.
Kiesgarten
Anlegen Gestalten:
Bevor man
sich an das Anlegen und Gestalten eines Kiesgarten macht sollte man folgende
Dinge bedenken. Zunächst einmal muss man nicht unbedingt die ganze
Grundstücksfläche als Kiesgartengestalten, der Vorgarten oder eine kleine,
sonnige, trockene (und damit nicht ganz einfach zu bepflanzende und zu
pflegende) Stelle im Garten reichen völlig aus. Der Kiesgarten lässt sich
mit anderen Gartenstilen wie Steingärten, mediterranen Garten usw. leicht
verbinden und auch der Übergang zu scheinbar gegensätzlichen Gartenstilen
wie den Waldgarten (schattig) oder Wassergärten (feuchtes Element) gelingt
problemlos. Idealerweise lässt sich der Kiesgarten streng geometrisch,
formal oder auch natürlich gestalten. Ob nun Top modern oder etwas
altmodisch, romantisch verspielt, beides lässt sich im Kiesgarten
verwirklichen. Wichtig ist es ein möglichst sonnigen Standort zu wählen da
die meisten typischen Kiesbeet bzw. Kiesgarten Pflanzen Sonnenhungrig sind.
Hat man den passenden Standort werden die Pflanzflächen festgelegt und etwa
einen Spaten tief (40 cm - 50 cm) ausgegraben. Der Aushub sollte sorgfältig
von Wurzeln und Unkräutern gereinigt werden. Bei schweren Böden wird der
Boden mit Sand und Splitt Gemisch um ihn locker und durchlässig zu machen.
Das Mischungsverhältnis hängt dabei vom Bodentyp ab, es soll ein lockeres,
gut durchlässiges Bodensubstrat entstehen mit dem anschließend die
Beetflächen wieder aufgefüllt werden. Ist der Boden extrem verdichtet und
neigt im Winter zur Staunässe gräbt man etwas tiefer und füllt eine Lage
Schotter als Drainageschicht ein. Überschüssiger Bodenaushub kann zur
Modellierung des Geländes verwendet werden, denn Kiesgärten müssen nicht
flach sein (auch Hanggrundstücke sind gut für Kiesgärten geeignet). Ist der
Boden nicht zu schwer (und benötigt keine Drainageschicht) reicht es auch
aus den Boden mit einem Spaten umzugraben (Bei größeren Flächen eventuell
eine Motorhacke verwenden), das
Unkraut zu entfernen und anschließend etwas
Splitt und Sand mit einzuarbeiten um einen gut durchlässigen Boden zu
erhalten. Bei leichten Sandböden entfallen die Vorbereitungen, da der Boden
schon gut durchlässig ist, lediglich das Unkraut sollte sorgfältig entfernt
werden. Wer plant sich bei der Bepflanzung nicht nur auf
Standortspezialisten für leichte, nährstoffarme Böden zu beschränken, sollte
den Sandboden mit etwas Kompost oder Pflanzerde mischen. Sind die
Pflanzflächen vorbereitet geht es an das Bepflanzen (mit den sorgfältig
ausgewählten Pflanzen) und erst anschließend wird die Kiesbeet Fläche
mit einer ca. 5 cm starken Schicht Kies oder Splitt bedeckt (so vermeidet
man unnötige Vermischung der Kiesschicht mit dem Pflanzsubstrat). Für welche
Art von mineralischen Belag man sich entscheidet ist Geschmackssache, es
stehen viele Gesteinsarten, -Farben und -Körnungen zur Verfügung. Kies mit
seinen abgerundeten Kanten wirkt immer sehr harmonisch und bietet sich bei
einem Übergang zu einer Teichlandschaft oder Bachlaufes geradezu an. Dafür
ist Kies nicht so trittfest wie Splitt (dessen scharkantige Steinchen sich
ineinander verhacken) und erzeugt auch recht laute Geräusche beim begehen.
Für Wege ist Splitt die bessere Wahl. Setzt man bei der Gestaltung größere
Findlinge ein sollte man sich bei der Wahl ob man nun Splitt oder Kies
verwendet an diesen orientieren. Bei Findlingen mit sanften runden Formen
nimmt man Kies, für Findlinge mit scharfen Kanten eher Splitt. Es spricht
auch nichts dagegen unterschiedliche Bodenbeläge (Gesteinsart, Körnung) im
Kiesgarten einzusetzen (zum Beispiel Splitt für die Wege, Kies für die
Pflanzflächen) und so bewusst spannende Kontraste zu setzen. Schließlich
soll der Bodenbelag auch bei fertig bepflanzten Flächen ab und zu sichtbar
sein. Von groben Schotter als Bodenbelag für das Kiesbeet würde ich
eher abraten, die großen Zwischenräume verunreinigen schnell und lassen sich
schlecht säubern, Unkräuter machen sich dann rasch breit. Das entfernen von
Unkraut aus Schotterflächen ist auch recht unangenehm (wie ich aus eigener
Erfahrung bestätigen kann), ganz anders bei Splitt und Kiesflächen die sich
auch von Tiefwurzelnden Unkräutern leicht säubern lassen. es ist ein weit
verbreiteter Irrglaube das in "richtig angelegten" Kiesgärten kein Unkraut
wächst. Die Kies- bzw. Splittschicht hat neben der optischen Funktion vor
allem die Aufgabe Wärme zu speichern, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, und dessen Erosion zu
verhindern. Natürlich hat sie auch eine unterdrückende Wirkung gegen
Samenunkräuter, die aber nicht überschätz werden darf. Wer längerfristig
etwas gegen Unkräuter unternehmen will (außer jäten) verlegt ein
Unkrautvlies. Das ist zwar sehr hässlich verschwindet aber ohnehin unter den
Splitt oder Kiesbelag. Das Vlies ist aber bei Umgestaltungs- und
Pflegearbeiten recht lästig. Auch wen man kurzlebige Pflanzen verwendet die
sich sich durch Selbstaussaat erhalten sollte man auf ein Unkrautvlies
verzichten, zumindest auf den Pflanzflächen. Gegen eine Verwendung unter
nicht bepflanzten Kiesflächen und Wegen spricht eigentlich nichts und ist
durchaus sehr zu empfehlen.
Pflanzen für
den Kiesgarten und das Kiesbeet:
Bei der Auswahl der Pflanzen für den Kiesgarten oder das Kiesbeet sollte man
sehr auf die Standortwünsche der Pflanzen achten. Es kommen nur
pflegeleichte Pflanzen in Frage die mit einem sonnigen und trockenen
Standort zurecht kommen. Anspruchsvolle, pflegeintensive Pflanzen die einen
frischen, humosen, nährstoffreichen Boden benötigen sind absolut
ungeeignet. Neben ein- und zweijährigen dominieren Gräser und Stauden
die Pflanzung. Kleinere und mittelhohe Gehölze werden nur vereinzelt und
sehr sparsam gesetzt um möglichst wenig Schattenwurf zu erzeugen. Ganz auf
Gehölze sollte man wenn möglich nicht verzichten, da sie ganzjährig
Höhenstruktur im Kiesgarten schaffen. Größere Bäume und Sträucher gehören
aber in den Hintergrund und Randbereich des Kiesgartens. Hier werfen sie nur
wenig Schatten und sorgen sogar für ein mildes Kleinklima, das besonders
empfindlichen Gewächsen sehr entgegen kommt. Bei der Gestaltung des
Pflanzflächen (Kiesbeet) sollte man auf verschiedene Höhen, Wuchsformen und
Blattstrukturen der Pflanzen achten, damit das ganze nicht langweilig wirkt.
Blütezeit und die Veränderung im Laufe der Jahreszeiten sollte ebenfalls
berücksichtigt werden. Ziel der Bepflanzung ist es nicht die
komplette Kies-/Splittfläche unter einen Pflanzenteppich verschwinden zu
lassen. Der Splitt bzw. Kies sollte auch im fertig eingewachsenen Zustand
immer mal wieder zu sehen sein, da er ein wesentlicher Bestandteil dieses
Gartenstils ist..
Hier eine
ganz kleine Auswahl an
Pflanzen die sich für den Kiesgarten und das Kiesbeet besonders eignen:
Stauden:
viele Aster Arten,
Brandkraut (Phlomis), Currykraut, Duftnessel (Agastache), Eberraute (Artemisia), Edeldistel (Eryngium),
Fackellilie (Kniphofia), Färberkamille (Anthemis), Färberhülse (Baptisia),
Fetthenne (Sedum), Gamander (Teucrium), Goldrute (Solidago), Grasnelke (Armeria maritima),
Junkerlilie (Asphodeline), Katzenminze (Nepeta), Katzenpfötchen (Antennaria),
Karpathen Glockenblume (Campanula carpatha), Leinkraut (Linaria), Lein (Linum),
Palmlilie (Yucca), Mädchenauge (Coreopsis verticillata), Nachtkerze (Oenothera missouriensis), Perlkörbchen (Anaphalis),
Türkischer Mohn (Papaver orientale), Samtnelke (Lychnis coronaria),
Scharfgarbe (Achillea), Scheinsonnenhut (Echinacea), Schleierkraut, Sonnenröschen, Silberblatt
Ehrenpreis (Veronica incana), Spornblume (Centranthus ruber), Steinquendel, Steppensalbei
(Salvia nemorosa), Thymian, verschiedene Wolfsmilcharten (Euphorbia),
Weidenröschen, Wollziest (Stachys byzantina), Zwerg Alant (Inula ensifolia)
Zwiebel-/Knollenpflanzen:
Kaiserkrone,
Steppenkerze (Eremurus), Tulpen, Zierlauch (Allium)
Gehölze:
Bartblume (Caryopteris clandonensis), Blasenspiere (Physocarpus opulifolius), Blauraute (Perovskia),
Elfenbeinginster (Cytissus x praecox), Fingerstrauch (Potentilla fruticosa),
Kiefer (Pinus),
Lavendel,
Sommerflieder (Buddleija davidii), Tamariske (Tamarix), Wacholder (Juniperus)
Gräser:
Blaustrahlhafer (Helictotrichon sempervirens), Chinaschilf (Miscanthus),
Diamantgras (Calamagrostis brachytricha), Federgras (Stipa), Föhngras (Achnatherum calamagrostis),
Kleines Präriegras(Schizachyrium), Lampenputzergras (Pennisetum),
Rutenhirse (Panicum), Schwingel (Festuca), Strandhafer (Ammophila),
1/2Jährige Sommerblumen:
Kalifornischen Mohn (Eschscholzia californica),
Königskerze, Natternkopf (Echium vulgare), Patagonisches Eisenkraut (Verbena
bonariensis), Prachtkerze (Gaura),
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